28. November 2019, 19:00 Uhr
Kaiser Wilhelm Gedächtniskirche, Breitscheidplatz, 10789 Berlin

Eine musikalisch-literarische Veranstaltung und ein Tribut an die Autoren Arnold Golz, Emil Golz, Myra Gruhenberg, Adele Jellinek, Walter Lindenbaum, Ilse Weber und Leo Štraus im Gedenken an den ersten Transport nach Theresienstadt am 24. November 1941. Unter der Leitung von Dusan-Robert Parisek singen und spielen: Susanne Eisenkolb, Manfred Eisner, Ute-Francina Kannenberg, Antje Rietz, Musikbegleitung: Collegium tschechischer Philharmoniker, Oli Bott (Vibraphon), Harry Ermer (Klavier). Aufführung unter der Schirmherrschaft des Botschafters Tschechiens SE Mgr. Tomas J. Podivinsky und des Primators der Hauptstadt Prag MUDr. Zdeněk Hrib. Am 24. November 1941 traf in der Sudetenkaserne in Theresienstadt eine Gruppe von 342 jungen jüdischen Männern ein, das sogenannte „Aufbaukommando“. Ihre Aufgabe war es, das Ghetto für die Ankunft weiterer Transporte vorzubereiten, die ab dem 30. November 1941 erwartet wurden. In Prag wurde den Männern aus dem AK I gesagt, dass sie sich frei bewegen und an Wochenenden ihre Familien würden besuchen können. In Wirklichkeit wurden sie im Augenblick ihrer Ankunft zu den ersten jüdischen Häftlingen des Ghettos. Die in die Transporte eingereihten Menschen bekamen Vorladungen und mussten sich an bestimmten Stellen in größeren tschechischen Städten versammeln. Bis dahin mussten sie ihr ganzes Vermögen abgeben, lediglich persönliches Gepäck durften sie behalten und mitnehmen ... Zur Mithilfe bei den Vorbereitungen zur Errichtung eines Ghettos in Theresienstadt wurde die Jüdische Kultusgemeinde in Prag gezwungen. Die Nazis förderten in den Reihen der Gemeinde mit Absicht die Illusion, dass das Ghetto zu einem autonomen Gebiet würde, wo Jüdinnen und Juden in Ruhe leben und bis zum Ende des Krieges arbeiten könnten. Auf diese Weise sollte Unruhe unter den künftigen Opfern des Genozids vermieden und Zeit für ihre planmäßige und allmähliche Vernichtung gewonnen werden, ohne das Leben im Protektorat zu stören.


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Hanus  Hachenburg, Autor von VEDEM ermordet in Auschwitz

,,Hanusch Hachenburg (geboren am 12.07.1927, am 24.10.1942 nach Terezin deportiert, am 18.12.1943 nach Auschwitz und ermordet) Der dreizehnjährige Mitgestalter der Wochenzeitschrift VEDEM (Wir führen) in Terezin, beschrieb nach seiner Ankunft in Terezin seine Unmut so:
“Ich bin überzeugt, dass niemand schuldlos ist, jeder ist ein klein wenig mitschuldig. Auch die gewöhnlichen Leute, die Zuschauer, sind mit Schuld daran, dass der Diktator an die Macht kommt, und sie tun nichts dagegen …“

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Hana (ermordet in Auschwitz) und Jiri Brady, Autor von VEDEM  überlebte Terezin, Auschwitz

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Zdenek Orenstein,  Autor von VEDEM
überlebte Terezin u. Auschwitz      
Jiri Kotouc, Autor von VEDEM
überlebte Terezin und Auschwitz


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Kurt Kotouc, Zdenek Orenstein, Jiri Brady 1990

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Ginz Petr Zeichnung Auf dem Mond Petr Ginz, Autor von VEDEM ermordet in Auschwitz


Vaclav Havel, Präsident von Tschechien, schrieb 1995
:
„ … Die Zeitschrift VEDEM (übersetzt: wir führen), herausgegeben von Theresienstädter Kindern, die in ständiger Erwartung von Transport und Tod lebten, ihre Verse, Erzählungen, Reportagen und Texte, die sie vereint, sind für uns, ihre späten Leser, nicht nur ein Memento, eine Erinnerung an die Schrecken des Ghettos und des Krieges, sondern auch eine Ermunterung im Leben und ein Maß für die Gering-fügigkeit unserer aktuellen Klagen. Wie viele der damaligen kindlichen Autoren, hätten sie überlebt, könnten die Welt bereichern. Wie viele Dichter geben uns hier einen Beweis ihrer Geburt … „


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Schriftstellerin Ilse Weber ermordet in Auschwitz

Frau Sonne wirft ihr Goldnetz aus,
daß alles gleißt und blendet,
die Welt ist wie ein Blumenstrauß,
vom Himmel uns gespendet.
Fahrt hin, ihr Sorgen, Leid und Weh,
ihr sollt ein Ende haben,
ihr schmelzet wie der dichte Schnee,
der die Natur begraben.
Die Welt ist voller Seligkeit
und will uns reich beschenken,
wir sind noch jung, das Leben mit –
wozu des Herbstes denken?


ILSE WEBER, Tschechoslowakische und Österreichische Schriftstellerin, Dramatikerin, Lyrikerin und Journalistin (geboren am 11. Januar 1903 in Vitkovice in Nordmähren, ermordet am 06. Oktober 1944 im KZ Auschwitz). Ilse Weber schrieb mit 14 Jahren erste jüdische Kindermärchen und kleine Theaterstücke für Kinder. Ihre Werke wurden in deutschen, tschechischen und österreichischen Zeitungen und Zeitschriften veröffentlicht. Die Atmosphäre, die im Kaiserreich durch die vielen Sprachen und Kulturen herrschte, prägte Ilse Weber sehr, sie versuchte die tschechische, deutsche und jüdische Kultur zusammenzuführen. Sie schrieb Artikel, Theaterstücke, Radiosendungen und Kinderbücher. 1930 heiratete sie Willi Weber. Ihr 1931 geborener Sohn Hanuš Weber wurde gerettet mit einem vom Nicholas Winton in Prag organisierten Kindertransporte nach England. Sie selbst, ihr Mann und ihr kleiner Sohn wurden zwangsevakuiert nach Theresienstadt. Sie arbeitete dort als Kranken-schwester. Ermordet wurde Ilse Weber mit Ihrem Sohn Tomas und den von ihr betreuten Kindern in Auschwitz – Birkenau.  

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Fanni Berger, Adele Jelinek (ermordet in Terezin) Adele Jelinek, ermordet in Terezin


ADELE JELLINEK, österreichische Journalistin, (geb. am 02.März 1890 in Wien, ermordet am 3.08.1943 in Theresienstadt) ist im Arbeiterbezirk Ottakring in einer jüdischer Familie aufgewachsen, schrieb vorwiegend Erzählungen, Feuilletons und Gedichte, veröffentlichte in sozialistischen Tages-Zeitungen (u.A. Neue Erde, Arbeiter-Zeitung, Das Kleine Blatt, Die Unzufriedene, Deutsche Freiheit, Neues Wiener Abendblatt, Neues Wiener Tagblatt),  und war Mitglied der Vereinigung sozialistischer Schriftsteller. Jellinek schrieb auch Gedichte und 1928 erhielt sie zwei Preise für ihre Lyrik. Ihr spätere Gedicht „Brot und Rosen“ wurde in vielen Zeitungen in Österreich, Schweiz und in der Tschechoslowakei veröffentlicht und von der Kritik sehr positiv beurteilt.



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Emil und Arnold Golz /Goldstein, ermordet Terezin Vater von Arnold und Emil Golz/Goldstein

ARNOLD UND EMIL GOLZ / GOLDSTEIN Die Zwillinge Emil (1866-1944) und Arnold Golz (1866-1942) beide ermordet in Theresienstadt, Söhne von Josef Goldstein, Oberkantor im Leopoldstädter Tempel, waren erfolgreiche Librettisten. Wirken gemeinsam zum Beispiel als Vortragsmeister mit Leopoldstädtische Ungeniertheit an den populären „Wiener jüdischen Dioskuren“ und kreierten von 1894 bis 1903 s. g. Golz Abende a denen auch ihre Schwester die Sängerin Irma Goldstein mitwirkte; nach ihrem Tod 1903 waren beide als Bühnenautoren tätig und verfassten gemeinsam zahlreichen Komödien, Schwänke, Possen, Operetten u. A. Werke Die schöne Ehebrecherin, Grüß dich Gott, Cousine; Epsteins Witwe; In geheime Mission; Die Meerjungfrau, Hulda Pessl in Venedig; Königin Mutter (1940 in Wien Augeführt)


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Terezin: Aufführung auf dem Dachboden


            „Läuse, nur Läuse, badet man dort
            Und hast du keine, schickt man dich fort,
            Doch tauchst du unter mit Mann und Laus,
            Sehr viel verlauster kommst du nach Haus.

            Läuse, nur Läuse, badet man dort
            Und hast du keine, schickt man dich fort,
            Doch tauchst du unter mit Mann und Laus,
            Sehr viel verlauster kommst du nach Haus.“